Neuen NABU-Landesvorsitzenden gewählt

Johannes Enssle wird Nachfolger von Andre Baumann

Der neue Vorsitzende des NABU Baden-Württemberg Johannes Enssle. (Foto: NABU/Klaus Echle)

300 NABU-Aktive tagen in Stuttgart / NABU Baden-Württemberg zählt erstmals über 90.000 Mitglieder

 

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Der Wolf kommt in den Odenwald

Christiane Günther. (Foto: privat)
Christiane Günther. (Foto: privat)

Waldbrunn. Er könnte schon hier sein, ohne dass wir ihn bisher bemerkt hätten, ließ Referentin Christine Günther im Rahmen einer vom NABU Waldbrunn organisierten Vortragsveranstaltung auf Nachfrage wissen, denn einerseits sei der Odenwald sehr gut geeignet und andererseits habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Sichtungen bzw. Funde in erreichbarer Nähe gegeben. 

Die Rede war hier vom Wolf. Ein Raubtier, dessen letzter Vertreter nach einer tagelangen Treibjagd, die wohl damals hysterische Züge angenommen hat, im Jahr 1866 in der Nähe von Dielbach erschossen wurde. Ausgestopft fand das Tier dann im Eberbacher Heimatmuseum eine neue „Heimat“ vor er seit Jahrzehnten zur Illustration der elterlichen Erzählungen vom Rotkäppchen herhalten muss.


Christine Günther ist “Geschulte Person” im Wildtiermonitoring der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Koordinatorin von WikiWolves in Baden-Württemberg und Hessen sowie NABU Wolfsbotschafterin. Sie züchtet selbst Schafe und berät Nutztierhalter zum Thema Herdenschutz. Ihren Hund Djemba trainiert sie derzeit darauf, Wolfsspuren zu finden und anzuzeigen. Christine Günther legt Wert auf eine sachliche Debatte, basierend auf wissenschaftlichen Fakten, fernab von Geschichten und Märchen oder verklärter Wolfs-Romantik.

 

Mit wie viel Herzblut sich Christine Günther mit dem Thema „Wolf“ befasst wurde im Rahmen ihres Vortrags im Gasthaus Drei Lilien in Mülben deutlich. 
Während man den Wolf im Odenwald bereits 1866 ausgerottet hatte, wurden im restlichen Deutschland bis zur Jahrhundertwende um 1900 noch einige Einzeltiere erlegt, ließ sie das interessierte Publikum wissen. Spätere Zuwanderer, meist auf dem Gebiet der DDR, wurden bis Anfang der 1990-er Jahre ebenfalls erschossen. Insgesamt waren es 35 Tiere die nach dem II. Weltkrieg so den Tod fanden. Im Gebiet der BRD wurden Wölfe 1987 unter Schutz gestellt, das Gebiet der neuen Bundesländer folgten 1990. Dennoch wurden zwischen 1990 und 1999 immerhin noch fünf Ansiedelungsversuche durch Jagdgewehre blutig unterbunden, so die WikiWolves-Koordinatiorin. Weitere zwei Tiere fielen dem Autoverkehr zum Opfer. Aktuell wurden im Monitoringjahr 2015/2016 in Deutschland insgesamt 46 Wolfsrudel, 15 Wolfspaare und vier territoriale Einzeltiere gezählt. Die meisten davon in Sachsen und Brandenburg, Es folgten Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern sowie Niedersachsen und Thüringen. 


Wolfe leben in bis zu zehn Tieren großen Rudeln, so die Expertin weiter, die menschlichen Kleinfamilien ähneln. An der Spitze steht das Elternpaar, das in der Regel eine lebenslange Bindung eingeht, und deren Nachkommen mit den Jungtieren aus dem Vorjahr – sogenannte Jährlinge – und den Welpen aus den neuen Würfen. Die jungen Wölfe lernen von ihren Eltern. Als soziale Tiere bringen sich aber auch die älteren Geschwister bei der Aufzucht der Welpen ein. Sie füttern die Welpen und passen auf den schutzbedürftigen Wurf auf, während die Alttiere auf Futtersuche gehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Tierarten, pflegen die Wölfe auch erkrankte oder verletzte Rudelmitglieder.


Die Jungwölfe machen im Alter von einem bis zwei Jahre immer weiter weg führende Ausflüge bis sich sich irgendwann ganz vom Herkunftsrudel etablieren. Ein wandernder Jungwolf kann laut Christine Günther auf der Suche nach einem Lebenspartner und einem Revier bis zu 1.500 Kilometer zurücklegen. 
Bei solchen Dimensionen ist es also auch problemlos möglich, dass Wölfe innerhalb Deutschlands bis in den Odenwald, der flächenmäßig bis zu acht Rudel Platz bieten kann, vordringen und sich dort niederlassen. Auch Die Rudel in den Vogesen sowie in den Schweizer Alpen leben in gut erreichbarer Entfernung.


Hierzu passen auch die Funde zweier überfahrener Brüder aus einem Rudel in der Schweiz in diesem Jahr sowie die Sichtungen in der Nähe von Frankfurt im letzten Jahr. Bei dem Rudel in der Schweiz fehlt von fünf Jungtieren, alle männlich, bis jetzt die Kenntnis über ihre Wanderroute, sodass es theoretisch durchaus vorstellbar ist, dass Isegrim bereits durch den Odenwald streift. 


Während dies für viele Naturbegeisterte sowie Umwelt- und Artenschützer mit romantischen Vorstellungen verbunden ist, gibt es auf der anderen Seite das Lager der Landwirte bzw. Schäfer, die große materielle Verluste befürchten, sollte der Wolf wieder in Baden-Württemberg heimisch werden. Hierzu trägt auch die Tatsache bei, dass der Wolf bei eingepferchten Schafherden in einen „Blut- bzw. Jagdrausch“ verfällt. Dies sei der genetischen Programmierung des Tiers geschuldet. Er mache nicht etwas Schluss, nehme seine Beute und verschwindet im Wald, vielmehr folge er seinem Jagdtrieb bis alle Schafe tot sind. So entsteht den Tierhaltern ein überproportional hoher Schaden, weshalb er viel Zeit und Geld aufwenden muss, um seine Tier zu schützen. Normalerweise fresse ein Wolfsrudel alte, schwache oder kranke Wildtiere, sodass der Räuber eine wichtige Funktion im Wald erfülle, die Tatsache, dass sich Schafe und andere Weidetiere mit viel weniger Aufwand jagen lassen, führe aber dazu, dass das Wolfsrudel ganz natürlich den Weg der geringsten Anstrengung geht. 


Tierhalter müssen sich daher – auch im sogenannten Wolferwartungsland Baden-Württemberg mit dem Thema Herdenschutz befassen. Hier sei auch die Landesregierung gefordert, denn bisher trage der Landwirt bzw. Schafhalter die materiellen Verluste aus eigener Tasche. Naturschützer wie auch der NABU fordern daher einen Handlungsleitfaden Wolf. Dabei soll das Tier nicht nur in realistischer Art vermittelt werden, auch die Schadensregulierung für Tierhalter sowie notwendige Schutzmaßnahme, die Herdenbesitzer ergreifen können, sollen darin erörtert werden.


Um darüber hinaus auf die Wiederansiedelung vorbereitet zu sein, erstellt die Forstliche Versuchsanstalt in Freiburg einen Wolfsmanagementplan. Darin wird auch die Benennung von Wildtierbeauftragten vorgestellt, die als Ansprechpartner für Fragen rund um den Wolf bereitstehen sollen.


Abschließend erläuterte die Referentin verschiedene Schutzmaßnahmen zu denen unterschiedliche Schutzzäune, aber auch speziell ausgebildete Herdenschutzhunde gehören. Als scheuer Räuber ließen sich Wölfe nämlich relativ einfach fernhalten und die Schäden minimieren, weiß Günther. 


Um auf den Wolf im Odenwald vorbereitet zu sein, schult Christiane Günther aktuell ihren Hund Djemba darauf, Wolfsspuren zu finden und anzuzeigen. 


Nach ihrem Vortrag musste die Referentin viele Fragen aus dem 80 Personen großen Plenum beantworten. Dies zeige das übergroße Informationsbedürfnis der Bevölkerung, so das Fazit der Wolfsexpertin und der NABU-Organisatoren, die sich dem Thema auch weiterhin widmen möchten. Dann bleibt Waldbrunn vielleicht nicht nur der Ort an dem vor 150 Jahren der letzte Wolf des Odenwald getötet wurde, sondern auch einer der ersten, an dem er wieder heimisch wurde.

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Bester Most des Odenwalds prämiert

Mostproduzenten mit Bürgermeister Haas und Sommelier Schuhmacher. (Foto: Hofherr)
Mostproduzenten mit Bürgermeister Haas und Sommelier Schuhmacher. (Foto: Hofherr)

Mostsommelier Kevin Schuhmacher erzählt Neues über ein "altes Getränk"

 

Waldbrunn. Insgesamt waren zehn Moste aus Waldbrunn und ein Most aus Rittersbach, der geschmacklich dem Waldbrunn-Sieger gleich kam, von ihren Erzeugern vorgestellt worden. Da jeder Tag an Reife, den ein Apfel länger am Baum hängt den Geschmack positiv beeinflusst, seien die Winterhauch-Äpfel wegen der vergleichsweise kurzen Vegetationszeit weniger süß, erklärte Sommelier Schuhmacher.

Wie wichtig dabei selbst Kleinigkeiten sein können zeigte sich am Schluss, als Sommerlier Schuhmacher alle Moste vorstellte und den Produzenten viele Tipps mit auf den Weg gab. So wurde der Zweitplatzierte Most von Walter Braun aus Dielbach sowohl in einer Glasflasche, als auch in einer Plastikflasche eingereicht, der nur “unter ferner liefen” landetet. Kunststoffe verändern laut Schuhmacher bereits nach kurzer Zeit den Geschmack des Getränks. Daher empfehle er zur Aufbewahrung auch Edelstahlfässer bzw. große Glasbehälter. Selbst den vielbeschworenen traditionellen Holzfässern erteilte der Experte eine Absage. Bei einem Most solle man die Ostsorten, auf dem Winterhauch eben Apfel und Birne, und nicht das Fass schmecken, wie dies bei Weinen gewünscht wird. 

Daher lobte er auch den Siegermost von Daniel Schäfer (Gasthaus Engel), dem es als einzigem Teilnehmer gelungen sei, den Geschmack der Landschaft einzufangen. Geschmacklich die gleiche Qualität hatte auch der Most aus Rittersbach . 

Ein Sonderlob ging an Maximilian Böhle (Es Cider-Haus) aus Oberdielbach, der seinem Süßmost Honig beigemischt hat und dieses Gemisch zum Gären gebracht hat. Damit sei dem jungen Kelterer ein ganz besonderes Geschmackserlebnis gelungen, lobte Sommerlier Schuhmacher. 

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NABU sucht neue Mitglieder

Werbeaktion von Tür zu Tür

Waldbrunn. (pm) Natur- und Artenschutz braucht dringend Unterstützung. Davon ist der NABU Waldbrunn überzeugt. Daher startet er im August eine vom Landesverband angeregte Mitgliederwerbeaktion, um weitere Menschen für den Natur- und Umweltschutz zu begeistern.

 

In den kommenden Wochen wird daher ein Werbeteam für den NABU durch Waldbrunn und die umliegenden Gemeinden gehen. Bei dem Team handelt es sich um Studenten und Studentinnen, die sich bei einer vom NABU-Landesverband beauftragten Agentur beworben haben, um für eine gemeinnützige Organisation Mitglieder zu gewinnen. Die Studenten und Studentinnen sind an ihrer Kleidung mit dem NABU-Logo und dem mitgeführten Werberausweis erkennbar. Sie dürfen kein Bargeld annehmen. Die Werber sind über die Aktivitäten des NABU Waldbrunn im Bilde und halten für Interessierte einen entsprechenden Flyer bereit.

 

“Über die Bereitschaft, sich unvoreingenommen informieren zu lassen, würden wir uns freuen und bedanken uns im Voraus”, so Ernst Stephan, Vorsitzender des NABU Waldbrunn.

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Mülben bewahrt Siedlungsgeschichte

NABU-Vorsitzender Ernst Stephan (re.) und Ortsvorsteher Timo Bachert stellen die Infotafel auf. (Foto: privat)
NABU-Vorsitzender Ernst Stephan (re.) und Ortsvorsteher Timo Bachert stellen die Infotafel auf. (Foto: privat)

Mülben. (pm) Wie bereits mehrfach erwähnt, wurde Mülben beim Wettbewerb mit einer Silbermedaille auf Landesebene bedacht. 

Damit würdigte die Jury das außergewöhnliche Engagement bei der Entwicklung einer zukunftsfähigen dörflichen Heimat. 

 

Dabei wurden auch markante Örtlichkeiten im Waldbrunner Ortsteil mit entsprechenden provisorischen Informationstafeln ausgestattet. So wurde nicht nur ein Bildstock auf dem ehemaligen Kirchpfad zum verlassenen Ferdinandsdorf berücksichtigt, auch am Mülbener Saubuckel und der historische Apfelquetsche im Kurpark erhielt ein Schild. Auf Anregung des NABU Waldbrunn wurde außerdem ein Höllbach-Lehrpfad ausgewiesen mit drei Tafeln gewürdigt, die mit Standorten an der Holzners Mühle im Höllgrund, im Mülbener Ortskern sowie am Ortsausgang in Richtung Wagenschwend Bedeutung des Höllbachs in ökonomischer und ökologischer Hinsicht erläutern.

 

 Damit die informativen Tafeln, die in den vergangenen Monaten auf große Resonanz bei Einheimischen und Touristen stießen, kein Provisorium bleiben, entschloss sich die Naturschützer in Kooperation mit dem Ortschaftsrat Mülben dazu, wetterfeste, langlebige Informationstafeln aus Metall aufzustellen. Auf Antrag beteiligte sich auch der Naturpark Neckartal-Odenwald am den Kosten. Da es keine Frage war, die Tafeln im sogenannten Corporate Design des Naturparks zu produzieren, wurde die Maßnahme mit 60 Prozent gefördert. Rechtzeitig zum Dorffest im Kurpark in Mülben am vergangenen Wochenende (wir berichteten) wurden die Tafeln nun vom NABU Waldbrunn aufgestellt, sodass sie bereits beim Dorffest der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten.

 

NABU-Vorsitzender Ernst Stephan und Ortsvorsteher Timo Bachert zeigten sich darüber sehr erfreut, könne man doch durch das gemeinsame Projekt einen Teil der Mülbener Geschichte und des Brauchtums in Erinnerung rufen und für nachfolgende Generationen bewahren. Insbesondere die Beschilderung des Höllbachs wurde einhellig begrüßt, hat er doch für die Siedlungsgeschichte Mülbens und der Mühlen entlang des Baches eine entscheidende Bedeutung.

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Retrowägeli an der E-Tankstelle

E-Smart mit Wohnanhänger tankt Strom

Retrowägeli an der E-Tankstelle.
(Foto: E. Stephan)

Passend zum Dorffest Mülben, wegen der Neuansiedler nach dem 30-jährigen Krieg auch Kleine Schweiz genannt, landete am Sonntag ein Gespann mit Wohnwagen aus der Schweiz. Der Zugwagen, ein Elektro-Smart sollte an der Mülbener regenerativen E-Tankstelle elektrisch aufgeladen werden. Es handelte sich um einen 100 Prozent elektrisch angetriebenen Smart, der inzwischen nicht mehr hergestellt wird und um einen historischen Wohnwagen aus der ehemaligen DDR.

Ein junges Paar reiste von St. Gallen nach Mülben, um hier eine Ladepause einzulegen und weiter nach Aschaffenburg zu fahren. Mit den letzten Elektronen schafften die Beiden gerade noch die Strecke von Heilbronn bis Mülben. Die Station in Mülben war die letzte Gelegenheit noch einmal vor Aschaffenburg zu "tanken".

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Arbeitseinsatz im Meisental

Auch Flüchtlinge halfen beim Arbeitseinsatz im Meisental. (Foto: privat)
Auch Flüchtlinge halfen beim Arbeitseinsatz im Meisental. (Foto: privat)

Waldbrunn. Sogenannte Neobiota, als Pflanzen und Tiere, die sich auf unterschiedliche Weise ihren Weg in unsere Breiten suchen und heimischen Arten Lebensraum streitig machen, sind im Zuge der Globalisierung auch für Natur- und Umweltschützer ein großes Problem.

Eine der bekanntesten Arten aus dem Pflanzenreich ist das Drüsige Springkraut, vielfach auch als Indisches oder Himalaya-Springkraut bekannt. Die Pflanze, einst als Zierpflanze in Europa eingeführt, hat inzwischen auch auf dem Winterhauch Fuß gefasst, wo es unter anderem auf einem NABU-Feuchtbiotop im Meisental aufgrund seiner enormen Wuchskraft, heimischen Sumpf- und Feuchtwiesenpflanzen den Lebensraum nimmt, sodass diese Pflanzen, die wiederum für heimische Insekten- und Säugerarten notwendig sind, vom Aussterben bedroht werden, wenn man die Neophyten nicht bekämpft. Aber auch der grassierende Landschaftsverbrauch durch Straßenbau, Wohn- und Gewerbegebiet reduziert artenreichen Lebensraum Tag für Tag.

 

 

Unterstützt von fünf Flüchtlingen aus Syrien, machten sich daher die Mitglieder des NABU Waldbrunn dieser Tage an die Arbeit, um das ökologisch sehr wertvolle Biotop zu pflegen und aufzuwerten. Dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband (LEV) Neckar-Odenwald-Kreis, war auch wieder ein Bagger im Einsatz, der den Wassergraben und die angelegen Tümpel vor dem Verschlammen bewahrt. Außerdem wurde der Graben zu einem Bachlauf erweitert und die Böschung mit heimischen Stauden und Sträuchern renaturiert. Darüber hinaus wurden umgebrochene alte Weiden beseitigt und die verschiedenen Quellzuläufe vom Bewuchs befreit.

 

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Weichen für die Zukunft gestellt

Am vergangenen Samstag fand im Gasthaus Drei Lilien in Mülben die Mitgliederversammlung des NABU Waldbrunn statt, zu der Vorsitzender Ernst Stephan zahlreiche Mitglieder begrüßen durfte.

In seinem Rechenschaftsbericht ließ Ernst Stephan die Veranstaltungen und Aktivitäten des vergangenen Jahres Revue passieren. Es begann im Februar/März mit Arbeitseinsätzen in den NABU-Biotopen im Meisental. Dort wurden Weiden gefällt, Springkraut entfernt, im Kooperation mit dem Landschaftserhaltungsverband Neckar-Odenwald-Kreis (LEV) die Tümpel ausgebaggert und die Ufer neu bepflanzt. Es folgte ein Vortrag zu Insekten in der menschlichen Ernährung, bevor die Mitgliederversammlung 2015 stattfand. Aufgrund der Arbeitsbelastung wollte der Vorstand nur noch für 12 Monate gewählt werden, was von den Mitgliedern aber nicht goutiert wurde. 

Stattdessen einigte man sich darauf, ein Jahr lang ein neues Konzept, mit neuen Strukturen zu erarbeiten, um die Belastung für den Vorstand zu reduzieren. Indem man Aufgabenbereiche und Projektgruppen definierte, wurde diesem Anliegen bis zur aktuellen Mitgliederversammlung Rechnung getragen, sodass der verbandliche Naturschutz auf dem Winterhauch weitergehen kann. Weitere Veranstaltungen in 2015 waren die Vogelstimmenwanderungen in Kooperation mit dem NABU Eberbach bzw. der Veranstaltergemeinschaft „Waldbrunner Wochen“.

Ein Großprojekt war der Bau einer Elektrotankstelle  auf einem Grundstück der Gemeinde Waldbrunn im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ im Ortsteil Mülben. Durch vier ortsansässige Unternehmen, die sich neben dem NABU an den Kosten beteiligten, wurde hier die erste öffentliche Schnellladestation auf dem Winterhauch – zwischen Heidelberg und Buchen – geschaffen. Dank des Preisgelds des Ehrenamtspreises der Bürgerstiftung Mosbach konnte sich auch der NABU Waldbrunn finanziell einbringen. Dass man mit der Tankstelle, die mit Strom aus erneuerbarer Quelle gespeist wird, eine Marktlücke gedeckt hat, zeigt die Tatsache, dass man gleich am Tag nach der Einweihung im Mai 2015 den ersten Kunden begrüßen durfte. Seither werden zwei bis drei Fahrzeuge die Woche betankt, ließ Ernst Stephan die Mitglieder wissen. Da man nicht als Stromlieferant auftreten könne, wird die Energie kostenfrei gegen Spende abgegeben. Mögliche Defizite gehen zulasten des NABU. Im vergangenen Jahr habe man aber mehr Einnahmen generiert, als Kosten entstanden seien, so Stephan weiter. Weiter ging das Jahr mit der Teilnahme am 1. Waldbrunner Naturparkmarkt in Mülben, bei dem das NABU-Angebot mit Most, Obstbäumen und Nistkästen hervorragend angenommen wurde.

Es folgten Sommerfest und Mostwochen sowie die Beteiligung an der Schaffung eines neuen Biotops im Gewann Hinkelsfeld auf dem Gelände einer ehemaligen Christbaum-Plantage. Nachdem die Bäume gefällt und die Stubben entfernt worden waren, ließ der LEV das Gelände profilieren, sodass Tümpel und Feuchtgräben entstehen. Bei der regelmäßigen herbstlichen Obstbaumaktion konnte der NABU wieder gut 60 Bäume für den Erhalt der typischen, artenreichen Odenwälder Streuobstwiesen vermitteln. Als letzte Aktion im vergangenen Jahr stand der Besuch aus der Landesgeschäftsstelle auf dem Programm. Wie viele Vereine auf dem Winterhauch habe auch der NABU Waldbrunn ein Nachwuchsproblem, so Vorsitzender Ernst Stephan. Daher habe man beschlossen, gemeinsam mit den NABU-Kollegen aus Eberbach und Mosbach im Frühjahr 2016 an einer Mitgliederwerbeaktion teilzunehmen. Man wisse zwar um die Problematik mit sogenannten unseriösen Haustürgeschäften, weshalb man die Referenzen der beauftragten Agentur sehr kritisch geprüft habe, ließ Stephan die Versammlung wissen. Nach einer Einführung in die örtlichen Gegebenheiten soll die Zukunft des NABU Waldbrunn nachhaltig gesichert werden, so der Vorsitzende am Ende seines Rechenschaftsberichts.

Nachdem Kassier Andreas Steck einen guten Kassenstand vermeldet und Kassenprüfer Otto Stich und Herbert Herold die ordnungsgemäße Führung der Bücher bestätigt hatten, erteilte die Versammlung dem Vorstand als Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit die Entlastung.

Während der amtierende Vorsitzende Ernst Stephan, dessen Stellvertreter Bernd Mohr, Kassier Andreas Steck, die Kassenprüfer Otto Stich und Herbert Herold bereits im Vorfeld signalisiert hatten, die zweijährige Wahlperiode zu erfüllen, musste lediglich Schriftführer Michael Wäsch ersetzt werden., der nicht mehr für eine weitere Mitarbeit gewonnen werden konnte. Zur Nachfolgerin und damit zur neuen Schriftführerin wählte die Versammlung unter Leitung von Wahlvorstand Hans Zollmann per Akklamation Ingrid Führing.

Anschließend stellte NABU-Mitglied Dieter Führing den Stieglitz/Distelfink als „Vogel des Jahres 2016“ vor. Dabei wies er darauf hin, dass es immer weniger Lebensräume für diesen Vogel gibt, da immer weniger Wildblumen und –stauden in unserer Landschaft bzw. Gärten in Wohngebieten geduldet würden. Dies habe dazu geführt, dass sich der Bestand des Vogels innerhalb von 30 Jahren halbiert habe. Es sei jedoch mit nur wenig Aufwand möglich, sich der NABU-Aktion „Bunte Meter für Deutschland“ anzuschließen, um Lebensräume für Distelfink und andere Vögel zu schaffen. Gerade als NABU-Mitglied habe man im eigenen Garten Vorbildfunktion, warb Führing für eine naturnahe Gartengestaltung. Entsprechende Pflanzlisten könne man im Internet finden.

Unter dem Punkt „Verschiedenes“ ging es anschließend hoch her, da Vorsitzender Ernst Stephan mitteilte, dass es einen Bauantrag für die Errichtung von 12 Windkraftanlagen im Markgrafenwald gebe. Dieser sei Anfang März bei der Gemeinde Waldbrunn eingegangen und würde nun auch vom NABU geprüft, um entsprechend Stellung beziehen zu können. Während ein Teil der Versammlung dem Vorhaben vor dem Hintergrund diverser artenschutzrechtlicher Gutachten, die neben einem starken Schwarzstorchvorkommen noch zahlreiche geschützte Greifvogel- und Fledermausarten feststellen, eine kategorische Absage erteilt sehen möchte, gaben andere zu bedenken, dass Klimaschutz ebenfalls Artenschutz sei. Man könne nicht im Odenwald Schwarzstörche schützen und durch Klimaerwärmung anderswo auf der Welt vielen Arten den Todesstoß versetzen. Gemeinsam mit dem Kreis- bzw. Landesverband werden NABU Waldbrunn und Eberbach in den kommenden Wochen an einer Stellungnahme arbeiten.

Mit dem Hinweis auf den Filmabend „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ mit dem preisgekrönten Werk von Valentin Thurn, am 21.04.2016, um 19:30 Uhr, im Restaurant Drei Lilien, Odenwaldstr. 27,  Mülben, schloss Ernst Stephan die Versammlung.

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Biotop „Hinkelsfeld“ in Mülben bepflanzt

Pflanzaktion im Hinkelsfeld. (Foto. privat)
Pflanzaktion im Hinkelsfeld. (Foto. privat)

Neben Mülbens Ortsvorsteher Timo Bachert (2.v.re.), dem NABU-Vorsitzenden Ernst Stephan und weiteren Helfern aus dem Silber-Dorf Mülben waren auch zwei Flüchtlinge aus Syrien im Einsatz, um zwischen Weisbach und Mülben eine ehemalige Christbaum-Plantage in ein neues Biotop zu verwandeln. (Foto: privat)

 Mülben. Nachdem  im Laufe der letzten 18 Monaten im Rahmen des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“  die vorbereiteten Maßnahmen für das Anlegen des Biotops „Hinkelsfeld“ zwischen Mülben und Weisbach umgesetzt worden waren (KP berichteten), traf sich nun  am letzten Samstag die Mülbener Arbeitsgruppe erneut, um Gehölzinseln auf dieser Fläche zu pflanzen. Matthias Jurgovsky, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverband des Neckar-Odenwald-Kreises,  hatte die passenden Pflanzen besorgt und bereits  an ihrem Bestimmungsort auf dem Grundstück ausgelegt. Mit dabei waren erstmals zwei syrische Flüchtlinge aus der Unterkunft in Waldkatzenbach, die sehr gerne mithalfen und dies als eine willkommene Abwechslung in einem abwechslungsarmen Alltag ansahen.

 

In den nächsten Tagen wird auf den frei gebliebenen Flächen zwischen den neu bepflanzten Gehölzinseln und den drei Tümpeln eine Blumenwiese gesät. Die Tümpel waren im letzten Jahr mit Hilfe des Landschaftserhaltungsverbandes hergestellt worden. Die Beteiligten hoffen, dass dieses Rückzugsgebiet für Amphibien, Reptilien, Tagfalter, Wildbienen, Libellen, Heuschrecken, Laufkäfer, Vögel und Kleinsäuger bereits im Sommer erblüht und für Spaziergänger eine Augenweide darstellt. 

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Glyphosat auch im Bier

60 Zuhörer beim Vortrag über Glyphosat. (Foto: Hofherr)
60 Zuhörer beim Vortrag über Glyphosat. (Foto: Hofherr)

 

Ob es nun die Schlagzeile war, dass Glyphosat im Bier gefunden wurde, ließ sich an dem Abend nicht mehr feststellen.  Fakt war auf jeden Fall, dass gut 60 Zuhörer, und damit mehr als ursprünglich erhofft, in den Gasthof Drei Lilien nach Waldbrunn gekommen waren,

um der ersten gemeinsamen Veranstaltung von BUND Buchen sowie NABU und Verband Wohneigentum (Siedlergemeinschaft) Waldbrunn beizuwohnen. Zuvor hatte man das Unkrautgift bereits in diversen Lebensmitteln, aber auch in Tampons, Watte- und anderen Baumwollprodukten gefunden. 

Als Referenten konnte NABU-Vorsitzender Ernst Stephan Berthold Weigand vom BUND Buchen und Gartenberater Sven Görlitz vom Verband Wohneigentum begrüßen. Außerdem waren MdL Georg Nelius (SPD) und Zweitkandidatin Amelie Pfeiffer (Bündnis 90/Grüne) der Einladung gefolgt und waren auf den Winterhauch gekommen. Stephan hob hervor, dass man festgestellt habe, dass Siedlergemeinschaft und NABU in vielen Bereichen Berührungspunkte und thematische Überschneidungen habe, weshalb man künftig häufig gemeinsamer agieren wolle.

Anschließend ging Berthold Weigand anhand neuster Daten auf das Herbizid (Pflanzenschutzmittel) – oder Nutzpflanzenschutzmittel, so Weigand ein. Glyphosat, das zunächst als Rohrreiniger eingesetzt worden war, wurde erst Anfang der 70-er Jahre für seine heutige Verwendungsart patentiert. Seither ist der Verbrauch rasant gestiegen, zumal bald genmanipulierte Nutzpflanzen auf den Markt kamen, sodass Glyphosat auch während der Wachstumsphase gegen Unkräuter/Wildkräuter eingesetzt wird. In Deutschland werden laut Wiegand inzwischen 6.000 Tonnen im Jahr auf den Feldern ausgebracht. Zwar betonen die Produzenten und Befürworter des Mittels dessen kurze Halbwertzeit von drei bis zu 250 Tagen, es wurde inzwischen aber auch festgestellt, dass insbesondere die nicht ungefährlichen Abbauprodukte bedeutend länger in der Erde bleiben und sich dort anreichern.

 

Neben bereits bekannten Gesundheitsrisiken wie Hautreizungen, geht man inzwischen auch davon aus, dass Glyphosat und beigemischte Substanzen zu Missbildungen bei Säuglingen führen können, ließ Berthold Weigand die Zuhörer wissen. 

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Waldbrunner Strom getankt

Ortsvorsteher Timo Bachert (li.) und NABU-Vorsitzender Ernst Stephan begrüßen die Testfahrerinnen. (Foto: privat)
Ortsvorsteher Timo Bachert (li.) und NABU-Vorsitzender Ernst Stephan begrüßen die Testfahrerinnen. (Foto: privat)

Diese Woche besuchte  die Testfahrerin Silvia Brutschin mit ihrer Begleiterin die E-Tankstelle des NABU Waldbrunn in Mülben, um dort auf dem Weg nach Marokko ihre sogenannten Twikes aufzuladen. Ein Twike ist im Prinzip ein weiter entwickeltes Liegefahrrad, das inzwischen mit einen Elektro-Hilfsantrieb versehen wurde und eine wachsenden Fahrerschar begeistert.

 Waldbrunn.  Diese Woche besuchte  die Testfahrerin Silvia Brutschin mit ihrer Begleiterin die E-Tankstelle des NABU Waldbrunn in Mülben, um dort auf dem Weg nach Marokko ihre sogenannten Twikes aufzuladen. Ein Twike ist im Prinzip ein weiter entwickeltes Liegefahrrad, das inzwischen mit einen Elektro-Hilfsantrieb versehen wurde und eine wachsenden Fahrerschar begeistert.

 Silvia Brutschin und ihre Crew  will unterstützt vom Hersteller der Fahrzeuge und mit Hilfe zahlreicher Sponosren von Rosental in Nordhessen nach Agadir in Südmarokko fahren. Vorteil des Twikes sei, so Brutschin, dass man vor Wind und Wetter geschützt ist, Platz für einen Beifahrer, Gepäck und wie in ihrem Fall, einen Hund hat. Durch den geringen Platzbedarf des Fahrzeugs selbst gebe es keine Parkprobleme. Billig seien Twikes jedoch noch nicht – sie kosteten durch die Einzelfertigung ohne Batterie immer deutlich über 20.000 Euro. Der größte aktuell erhältliche Akku ermögliche im optimalen Fall eine Reichweite bis zu 500 Kilometer.

Die Reichweite des Testfahrzeugs, das in Mülben „betankt“ wurde, liegt laut Silvia Brutschin mit einer Ladung bei 130 Kilometer. Durch die Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h seien auch auch Fahrten auf der Autobahn möglich.

Mit ihrer Fahrt nach Nordafrika wollen die Fahrer um Silvia Brutschin nachweisen, dass ein solches Fahrzeug inzwischen eine echte Alternative ist. Getestet wird auf der soll auf dieser Fahrt die Leistungsfähigkeit von neuen Batterien. Der Stromverbrauch eines Twikes liegt mit fünf Kilowatt/Stunden je 100 Kilometer und damit Kosten von 1,35 Euro bei einem Drittel des Verbrauchs eines regulären Elektroautos.

 

Neben dem eingesetzten Twike 3 gibt es laut Brutschin weitere attraktive Modelle. Das Fahrzeug wird angetrieben durch einen Elektromotor, der bergab die Batterie auch wieder auflädt. Die Tretkurbel, die auf das Vorderrad wirkt,  dient inzwischen nur noch dazu, den Fahrer sportlich zu beschäftigen und die Reichweite um etwa 10 Prozent zu erweitern. Zu sind die Akkus auch mit normalen Steckdosen, sodass dies auch in Marokko überall möglich sein wird. Trotzdem bezeichnete Silvia Brutschin die Suche nach einer Ladestation manchmal immer noch als ein Abenteuer.  

 

In Mülben wurden die Marokko-Reisenden vom  NABU Vorsitzende Ernst Stephan und Ortsvorsteher Timo Bachert. Die Twike-Fahrer zeigten sich begeistert von der Möglichkeit, auf ihrer Durchfahrt auch im ländlichen Raum zu laden. Gestartet war man am Vormittag in Offenbach; Ziel der ersten Etappe war Laichingen. Bei einem kleinen Imbiss berichtete Silvia Brutschin über ihr Studium in Freiburg und wie sie dort zur begeisterten Twike-Fahrerin wurde. Studienaufenthalte zur Geografie in Nordafrika hätten ihr das Zurechtfinden schon bei ihrer ersten Fahrt dort erleichtert. Insgesamt stehen sieben Etappen auf dem Reiseprogramm, bevor es nach über 1.000 Kilometern von Genua aus mit der Fähre über das Mittelmeer nach Tanger geht. Dort für die Route über Rabat nach Agadir.

Ortsvorsteher Timo Bachert (li.) und NABU-Vorsitzender Ernst Stephan begrüßen die Testfahrerinnen. (Foto: privat) 

Infos im Internet:

www.twikingfuture.com

www.twike.com

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Mostwochen mit Besucherrekord

Gezogen von David und Manfred mit Kutscher Marco Zwickl ging es am Sonntag durch Streuobstwiesen zum Felsenhaus im Markgrafenwald. (Foto: Hofherr)
Gezogen von David und Manfred mit Kutscher Marco Zwickl ging es am Sonntag durch Streuobstwiesen zum Felsenhaus im Markgrafenwald. (Foto: Hofherr)

 „In diesem Jahr hat einfach alles gepasst“, freut sich Bürgermeister Markus Haas bei seinem Fazit am letzten Tag der 6. Waldbrunner Mostwochen, die am Sonntag mit der Hölzerlips-Kutschfahrt in dem entsprechenden Menü im Gasthaus Engel und im Sockenbacher Hof zu Ende ging. Erstmals hatten die Organisatoren die kulinarischen Wochen mit einem historischen Thema verknüpft und entsprechende Termine in den Veranstaltungskalender aufgenommen

Bereits zur Eröffnung erzählte Hans Slama unterstützt von Liedermacher Roland Beigel von den Räuberbanden auf dem Winterhauch, die insbesondere in der Person des Hölzerlips bis heute berühmt-berüchtigt sind. Beim Laienspiel im Kurpark in Mülben kam sogar ein echtes Pferdegespann zum Einsatz. In historischer Gaunersprache, de Rotwelsch, wurde der Raubmord der Bande bei HEmsbach an der Bergstraße in Erinnerung gerufen. Dieses Verbrechen löste damals eine beispiellose Verfolgungsjagd aus, die mit der Hinrichtung mehrerer Räuber in Heidelberg endete. 

Doch die Ursachen des Räuberunwesens, das aufgrund der grassierenden Armut immer neue Taten provozierte, wurde nicht ausgespart. Da die Bauern auf dem Winterhauch selbst stets an der Armutsgrenze vegetierten, fanden die Räuber um den Hölzerlips hier stets Unterkunft, wie die Kutschfahrt zum Naturdenkmal Felsenhaus im Markgrafenwald zeigte. Auch von verlassenen Dörfern und Zwangsumsiedlung der Bewohner aus Ferdinandsdorf, die Odenwälder Wirtschafts- bzw. Armutsflüchtlinge des 19. Jahrhunderts, wurden von Gerhard Neureither im Rahmen der kulinarischen Kutschfahrt erzählt.

Ein weiterer Höhepunkt war das traditionelle Mostpressen des NABU Waldbrunn auf den Hof der Familie Haas in Mülben. Auch hier gab es eine Neuerung, die auf enorme Resonanz stieß. So waren die Kinder aller Waldbrunner Kindergärten genommen, um Apfel und Birne musikalisch zu huldigen. Insgesamt dreimal mussten die Helfer des NABU die historischen Kelter füllen, damit jeder den leckeren frisch gepressten Apfelsaft probieren konnte. Insgesamt wurden so mehr als 150 Liter ausgeschenkt, während es von den Kindergärten Waffeln dazu gab. Ein kleiner Markt der Waldbrunner Selbsterzeuger rundete den Tag ab. Da insbesondere von diesem Tag alle hellauf begeistert waren, wurde sogleich beschlossen, diese Veranstaltungsform im kommenden Jahr beizubehalten.

Doch nicht nur bei den diversen Veranstaltungen fanden Streuobst und die entsprechenden Wiesen großen Widerhall  auch die beteiligten Gastwirte und Bäcker berichteten von einer enormen Resonanz. „Unterm Strich hatten wir so viele Besucher bei unseren Mostwochen-Veranstaltungen wie noch nie“, schließt Haas sein Resümee. Er schloss mit einem Dank an alle Akteure. Mit guten Ideen und gemeinsamen Anstrengungen lasse sich viel bewegen, freute sich das Gemeindeoberhaupt.

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Heuschrecken statt Steaks

Maikäfer-Suppe gegen den Welthunger

Die Referentin.
(Foto: Hofherr)

Waldbrunn. Kostproben gab es zwar keine, aber das Rezept für eine Maikäfer-Suppe hatte die Referentin Ingrid Bunker ihren Zuhörern mitgebracht.

Pro Person werden ungefähr 30 Krabbeltiere benötigt. Flügel und Beine werden entfernt, die Körper dann in Butter geröstet, anschließend in Gemüse- oder Fleischbrühe gegart. Das Rezept hatte die Umweltbiologin im Rahmen ihrer Recherche für den Vortrag „Insekten als populäre und nachhaltige Grundlage in der menschlichen Ernährung?!“ in einem Kochbuch von 1844 gefunden. Damit konnte die Wissenschaftlerin belegen, dass Insekten nicht nur in Asien, Afrika, Südamerika und Australien, sondern auch in Europa durchaus auf den Speiseplänen standen.

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2. Waldbrunner Mostwochen eröffnet

006MostwochenUnser Bild zeigt von links: Jette Zollmann (Kurgestüt), Marina Hofherr (Gemeinde Waldbrunn), Uwe Guckenhan (Drei Lilien), Heike Krämer (Kastanienhof), Daniel Schäfer (Gasthaus Engel), Götz Grundmeier (Sockenbacher Hof), Thomas Hagendorn (Haus Odenwald), Peter und Markus Haas, Kreisrätin Simone Heitz, Bürgermeister Klaus Schölch, NABU-Vorsitzender Ernst Stephan und Siegfried Vogel. (Foto: Hofherr)

Waldbrunn. (mh) Bestes Mostwetter herrschte am Samstag bei der Auftaktveranstaltung zu den 2. Waldbrunner Mostwochen.  Der NABU Waldbrunn hatte aus diesem Anlass zu einem „saftigen“ Nachmittag mit Mostpressen geladen, der wieder auf dem Hof der Familie Haas in Mülben stattfand. Hier hatten NABU-Mitglieder und Landwirt Peter Haas wieder eine historische Mostpresse aufgebaut, die ansonsten im privaten Heimatmuseum ausgestellt ist.

Der NABU-Vorsitzende Ernst Stephan konnte zum Auftakt nicht nur Bürgermeister Klaus Schölch und Marina Hofherr als Vertreter der Gemeinde Waldbrunn begrüßen, sondern auch die „grüne“ Kreisrätinnen Simone Heitz und Christine Denz sowie den neuen Kreisgeschäftsführer von Bündnis 90/Grüne, Boris Cotar, und dessen CDU-Kollegen Markus Haas willkommen heißen.

 

Ein besonderer Gruß ging darüber hinaus an die Waldbrunner Wirte, die mit ihren „Most-Speisekarten“ anlässlich der Mostwochen einen wesentlichen kulinarischen Beitrag zum Erhalt der typischen, artenreichen Odenwälder Streuobstwiesen leisten. Auch den anderen Akteure der Mostwochen, die mit ihrem Engagement im Sinne des NABU aktiv sind, dankte der NABU-Vorsitzenden.

 

Bürgermeister Klaus Schölch lobte die Veranstaltergemeinschaft für das besondere Engagement. Vereine, Institutionen, Verwaltung und Wirtschaft tragen gemeinsam dazu bei, dass die Gemeinde Waldbrunn für ihre Waldbrunner Wochen, zu denen im Frühjahr auch die Stutenmilchwochen gehören, inzwischen überregional  Bekanntheit erlangt hätten. Für den Tourismus auf dem Winterhauch setze man mit diesem Zusammenspiel ökologischer und ökonomischer Belange neue belebende Impulse, so das Gemeindeoberhaupt abschließend.

Auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Simone Heitz, lobte das Waldbrunner Engagement zum Erhalt der Streuobstwiesen. Gerade im Neckar-Odenwald- Kreis erlebe man beim Thema „Christbaum-Plantagen“ wie wichtig der Einsatz für den Erhalt der Obstbäume sei. Nur so könne man verhindern, dass die Schönheit der Landschaft, die auch für den Tourismus von existenzieller Bedeutung sei, verloren gehe.

 

Was dabei von ehrenamtlichen Gruppierungen wie den örtlichen Naturschützern geleistet werde, sei allerdings nicht im gleichen Maße vom hauptamtlichen Naturschutz getragen. So müsse man leider beobachten, dass die Kreise als Untere Naturschutzbehörden seit Jahren Personal und damit Gestaltungskraft abbaue.

Nach den einführenden Worten lud NABU-Vorsitzender Stephan zur diesjährigen Schätzfrage. Dabei mussten die Teilnehmer die Öchslegrade, also die Süße des frisch gepressten Safts richtig schätzen. Die richtige Lösung war 51,5°.  Der erste Preis, eine Astschere ging nach Oberdielbach.

 

Beim Armbrustschießen waren die Mountainbiker des TV Mosbach nicht zu schlagen. Die Sportler, die wegen der Auftaktveranstaltung nach Waldbrunn gekommen waren zeigten sich am zielsichersten und nahmen trotz der bewältigten Höhenmeter von der Kreisstadt auf den Winterhauch einige Kisten Apfelsaft als Preis mit in die Kreisstadt.

 

Den ganzen Nachmittag über wurden Äpfel und Birnen gepresst, sodass stets frischer Süßmost verkostet werden konnte. Apfelkuchen in unterschiedlichen Varianten und exklusives Waldbrunner Tremmi-Laugengebäck stillten den Hunger. Auch in diesem Jahr hatte Otto Stich ein Fässchen Most beigesteuert, sodass die Besucher auch diesen probieren durften.

 

Am Ende stellte Marina Hofherr von der Tourist-Info der Gemeinde Waldbrunn das Programm der Mostwochen vor, die noch bis einschließlich 16. Oktober dauern.

Bereits morgen, Sonntag, den 25. September, ab 15 Uhr, zeigt Thomas Mayerhöfer in der Wilhelmstraße 8, Weisbach die Saft- und Mostherstellung und geht dabei insbesondere auf die unterschiedlichen Methoden der Lagerung und Haltbarmachung ein. 

Einer der Höhepunkte ist das Waldbrunner Mostwochen-Menü mit Planwagenfahrt. Drei Waldbrunner Köche sind für das dreigängige Menü verantwortlich. Anmeldungen werden bis 30. September 2011 unter Tel.06274-928590 zum Preis von 43 Euro je  Person entgegen genommen.

 

Während der gesamten Mostwochen:

  • Apfel-, Birnen und Mostgerichte in Waldbrunner Restaurants.
  • Apfeldache des Magazins „Katzenpfad“ wird mit einer Apfelkiste bestückt
  • Das Most-Quiz des NABU Waldbrunn
  • Die Bäckerei Klotz bietet wieder ihr Waldbrunner Mostbrot an.
  • Die Bäckerei Haas hat während der Mostwochen spezielle Angebote rund um Apfel und Birne.

Infos im Internet: 

www.mostwochen.de

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1. Waldbrunner Mostwochen eröffnet

mw260910Unser Bild zeigt die Gastronomen und weitere Mitglieder der Aktionsgruppe mit MdL Georg Nelius (3.v.li.), Bürgermeister Klaus Schölch (re.), CDU-Kreisgeschäftsführer Markus Haas (li.), NABU-Vorsitzendem Gerhard Neureither (3.v.re.) und Gastgeber Peter Haas (4.v.re.), der seit vielen Jahren seinen Hof für das Mostpressen bereitstellt. (Foto: Hofherr)

Beim traditionellen Mostpressen des NABU Waldbrunn wurden am 25.09.10 die ersten Waldbrunner Mostwochen eröffnet. Hierzu konnte NABU-Vorsitzender Gerhard Neureither auch den Landtagsabgeordneten Georg Nelius (SPD), Bürgermeister Klaus Schölch, CDU-Kreisgeschäftsführer Markus Haas, die Köchinnen und Köche der beteiligten Gastronomiebetriebe und zahlreiche Gemeinde- und Ortschaftsräte bei der Familie Haas in Mülben begrüßen. Dort feiern die Naturschützer seit vielen Jahren mit Herbstbeginn ihr Mostfest.In diesem Jahr fand sich erstmals eine Aktionsgemeinschaft, die auf breiter Basis für den Erhalt der Odenwälder Streuobstwiesen werben will. Aus diesem Grund finden in den nächsten beiden Wochen viele Veranstaltungen rund um Apfel und Birne statt. Auch in den Kochtöpfen der Waldbrunner Gaststätten und Restaurants werden die einheimischen Obstsorten eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus werden Apfel und Birne in flüssiger Form ausgeschenkt. Ein Apelquiz sowie eine moderne GPS-Schatzsuche ergänzen neben den vielen Informationsveranstaltungen das Programm. Am Samstag, den 09. Oktober, laden die Organisatoren ab 15.00 Uhr an den Katzenbuckel, wo beim Höhenrestaurant Turmschenke die Waldbrunner Mostwochen ihren Abschluss finden.

NABU-Vorsitzender Neureither zeigte ebenso wie MdL Nelius und Bürgermeister Schölch erfreut darüber, dass man als Naturschützer solch breite Unterstützung erfahre. Nelius hob darüber hinaus hervor, dass Baden-Württemberg das Streuobstland der Republik sei. 50 Prozent aller Obstbäume stünden im Süden, so der Landespolitiker. Beim NABU schätze er, dass man dort nicht nur theoretischen Naturschutz betreibe, sondern durch Aktionen wie das Mostpressen auch die schönen und praktischen Seiten erkannt habe. Abschließend ließ Nelius die Eröffnungsgäste an seinem speziellen Mostrezept teilhaben.

Hier hakte Bürgermeister Klaus Schölch ein, der wusste, dass man unbedingt Champagner-Birne verwenden müsse, um den „besten” Most zu bekommen. Das Gemeindeoberhaupt lobte die Kooperation der touristischen Leistungserbringer. Er hoffe, dass sich das Bündnis auch in den kommenden Jahren erhalte und mit Aktionen für die Winterhauchgemeinde werbe.

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